Aktuelles

Freitag, 10.09.2021, 18:11

Tag der Sprachheilarbeit


Online-Tagung der Landesgruppe Sachsen am 28. September 2021

Samstag, 17.07.2021, 10:52

Sonderheft der dgs-Sprachheilarbeit "Forschung Sprache" ist online


Ab sofort steht das Sonderheft der dgs-Sprachheilarbeit "...

Montag, 05.07.2021, 13:54

Praxis Sprache - Heft 3/2021


Ab sofort steht die neue Ausgabe der dgs-Sprachhe...

Montag, 28.06.2021, 16:03

47. Kongress Stottern & Selbsthilfe


1. bis 3. Oktober 2021 in Mannheim

Montag, den 03.09.2007 22:52

Alter: 15 Jahr(e)


Liebe Kolleginnen und Kollegen, in Heft 6/2006 der „Sprachheilarbeit“ konnten Sie eine Zusammenfassung der Beschlüsse der letzten Delegiertenversammlung sowie eine Rückschau auf den dgs-Kongress in Köln lesen. Zwischenzeitlich haben die Gremien der dgs mit der Bearbeitung der Anträge begonnen, und der Geschäftsführende Vorstand hat sich unter Leitung des neu gewählten Bundesvorsitzenden, Gerhard Zupp, konstituiert.
Besonders hinweisen möchte ich Sie heute auf die Aktivitäten der Gruppe, die sich mit den Anträgen zur Gründung eines dgs-eigenen Fortbildungsinstituts befasst. Diese Gruppe hat unter der Leitung von PD Dr. Ulrike Lüdtke, Humboldt Universität Berlin, einen Fragebogen entwickelt, der zunächst die Bedürfnislage der dgs-Mitglieder bezüglich Fortbildungen erheben möchte. Sofern Sie diesen Fragebogen noch nicht über Ihre Landesgruppen erhalten haben, möchte ich Sie hiermit ganz eindringlich bitten, sich an der Aktion zu beteiligen. Der Bogen ist über die Seite www.dgs-ev.de abrufbar und direkt am Rechner auszufüllen und versendbar. Neben der Berichterstattung über die bundesweiten Aktivitäten der dgs möchte ich als Pressereferent an dieser Stelle immer auch über die Situation der Sprachheilpädagogik in den Bundesländern und/oder einzelnen Gemeinden berichten. Dazu können Sie als Leserin oder Leser mir ab jetzt gerne aktuelle Berichte, die Sie in der regionalen oder überregionalen Presse finden, zukommen lassen, entweder per Email (bahr(at)dgs-rheinland(dot)de) oder per Post (Dr. Reiner Bahr, Tußmannstr. 47, 40477 Düsseldorf). Heute möchte ich kurz aus Brandenburg und aus Nordrhein-Westfalen berichten. Des Weiteren finden Sie weiter unten einen „Reisebericht“ der LG Sachsen, den die Kollegin Antje Leisner verfasst hat. Zur Situation in Brandenburg Im Bundesland Brandenburg werden derzeit keine sprachbehinderten Kinder mehr in die Klassen 1 und 2 der Sprachheilschulen aufgenommen; sie werden stattdessen in die Grundschulen eingeschult. Dies führt aus Sicht der Landesgruppe Brandenburg zu einer Benachteiligung sprachbehinderter Kinder; die Schließung der bestehenden Sprachheilschulen könnte eine Folge sein. Hier wird also völlig gegen den Trend, der ja dahin geht, sprachbehinderte Kinder möglichst früh zu erfassen und beim Schulstart so zu unterstützen, dass sie sobald als möglich eine Regelschule besuchen können, gehandelt. Es wird hier offenbar auch verkannt, dass es sich bei Sprachbehinderungen, die einen sonderpädagogischen Förderbedarf begründen, keinesfalls um „weiche“ Störungen handelt, sondern um gravierende Beeinträchtigungen, die das schulische Lernen, allem voran den Schriftspracherwerb, erheblich erschweren. In einer eigenen Untersuchung („Wer besucht die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache?“, Vortrag auf dem dbs-Symposium am 2.2.2007) habe ich kürzlich erst nachgewiesen, dass 81,6% der sprachbehinderten Schülerinnen und Schüler in den Eingangsklassen erst mit 2 Jahren oder später zu sprechen begonnen haben, zu 84,6% bereits Sprachtherapie im Vorschulalter hatten und dennoch in über 90 % der Fälle mindestens zwei sprachliche Strukturebenen betroffen sind. Wie Grundschulen diesem Förderbedarf gerecht werden können, bleibt schleierhaft. Sprachstandserhebungen in Nordrhein-Westfalen Das Land NRW hat an der Universität Dortmund ein Verfahren entwickeln lassen, mit dem alle 4jährigen Kinder hinsichtlich ihres Sprachentwicklungsstandes geprüft werden sollen, um im Bedarfsfalle einer Sprachförderung zugeführt zu werden. Zurzeit lernen Moderatorinnen und Moderatoren dieses Verfahren kennen, um es den Lehrerinnen und Lehrern zu vermitteln, die die Sprachstandserhebungen dann durchführen werden. Zunächst einmal handelt es sich hier um eine logistische Meisterleistung, denn es werden knapp 180.000 Kinder landesweit zu testen sein. Die Teilnahme am Verfahren wird verpflichtend für alle Kinder sein, Nichtteilnahme wird als Ordnungswidrigkeit geahndet. In einem konstruktiven Gespräch, das der dgs-Bundesvorsitzende gemeinsam mit den Landesgruppenvorsitzenden aus Westfalen und dem Rheinland mit Vertretern des Düsseldorfer Ministeriums für Schule und Weiterbildung im Januar geführt hat, wurden zwar noch nicht der Test selbst, aber einige Rahmenbedingungen des gesamten Vorhabens erläutert. Es wird erwartet, dass die Sprachstandserhebung zu einer erheblichen Sensibilisierung für Fragen der „normalen“ Sprachentwicklung führen wird. Des Weiteren dürften nun auch diejenigen Kinder einer Sprachförderung und einer Sprachtherapie zugeführt werden können, die bisher nicht als auffällig erkannt wurden. Die dgs-Vertreter haben darauf hingewiesen, dass dies sehr begrüßenswert ist, wobei dann aber auch die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen (Verordnungspraxis für Sprachtherapie) stimmen müssen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Sprache wird sich aufgrund der Schwere der Störungsbilder aus Sicht der dgs durch die Sprachstandserhebungen nicht verringern.  
Sächsische Sprachheilschüler entdecken Südengland (von Martina Seidel, Sprachheilschule „Ernst Busch“ Chemnitz, leicht gekürzt) Zum 1. Tag der Sprachheilarbeit am 23. August 2005 in Leipzig  wurde in einer Arbeitsgruppe von Englischlehrern der sächsischen Sprachheilschulen über die Chancen und Probleme des Fremdsprachunterrichts mit sprachbehinderten Kindern diskutiert.
Das Fach Englisch ist für sprachbehinderte Kinder mit großen Anstrengungen und einem dazu im Verhältnis oft nur geringen Lernerfolg verbunden und deshalb bei vielen Schülern nicht so beliebt. Die Gelegenheit, auf einer Schulfahrt nach Großbritannien Erlebnis orientiert Englisch zu lernen konnte sich aufgrund der geringen Schülerzahlen und der dadurch zu hohen Reisekosten durch die einzelnen Sprachheilschulen nicht organisieren lassen.
Im Verlauf einer Ideensammlung zur Verbesserung der Qualität des Unterrichts entstand der Gedanke, eine gemeinsame Englandreise für die Schüler der Sprachheilschulen, Dresden, Leipzig und Chemnitz zu organisieren. Die Reise sollte unseren Schülern einen Anreiz bieten, die englische Sprache und Kultur hautnah zu erleben.
Im Januar 2006 präsentierten wir ihnen dieses Angebot und waren von der großen Resonanz überrascht. Die 36. Mittelschule Dresden, an der sich zwei Klassen des Förderzentrums Sprache Dresden befinden und in der sprachbehinderte Schüler bis Klasse 10 integrativ betreut werden, bekundete ebenfalls ihr Interesse. Trotz der zusätzlichen finanziellen Belastungen für zahlreiche Familien konnte es 62 Schülern  im Alter von 12 bis 17 Jahren ermöglicht werden,  diese Reise anzutreten.
 
Am Sonntag, dem 8. Oktober, begann die mit Spannung erwartete Reise. Mit dem Doppelstockbus starteten wir in Chemnitz und fuhren über Dresden und Leipzig in der Nacht nach Calais. Mit der Fähre setzten wir am nächsten Morgen nach Dover über. Dort legten wir den ersten Fotostopp beim Dover Castle ein.
Anschließend ging es weiter in die mittelalterliche Stadt Canterbury mit ihrer berühmten Kathedrale. Mit dem Besuch der Canterbury Tales gewannen unsere Schüler einen Einblick in das frühe Leben Englands und sie lernten zugleich den bedeutenden Schriftsteller Geoffrey Chaucer kennen.
Danach folgte ein Abstecher zum Royal Observatory in London, Greenwich. Die Schüler erlebten Geografie live, indem sie sich beim Nullmeridian auf zwei Erdhälften stellten (Foto).
 
Am Abend lernten sie in Worthing ihre Gasteltern kennen. Der Aufenthalt in den englischen Familien gewährte den Schülern einen Einblick in den Alltag und gab Gelegenheit, selbstständig die englische Sprache anzuwenden. Die Schüler versuchten sich gegenseitig zu unterstützen, da sie mit einem bis zu drei Mitschülern in einer Familie untergebracht waren. Weiterhin konnten sie am Rande den britischen Schulalltag der Kinder ihrer Gasteltern beobachten.
Am nächsten Tag besichtigten wir das bedeutendste und mit zahlreichen Mythen verbundene Denkmal – Stonehenge sowie den Safaripark Longleat.. 
Am darauf folgenden Tag stand London auf dem Programm. Bei einer Stadtrundfahrt konnten die Schüler endlich die berühmten und ihnen bisher nur durch Abbildungen bekannten Sehenswürdigkeiten mit eigenen Augen betrachten.
Der letzte Tag führte uns zunächst nach Brighton mit einem Blick auf den Royal Pavilion und an den Strand bei herrlichstem Sonnenschein.
Auf der Fahrt nach Hastings genossen wir die wunderschöne Küstenlandschaft. Die Schmugglerhöhlen vermittelten zahlreiche Einblicke in die Tricks der Schmuggler  verschiedener Jahrhunderte.
Die Heimreise führte uns nicht über das Wasser, sondern unter dem Wasser durch den Eurotunnel hindurch. Mit vielen Eindrücken und neu gewonnenen Freundschaften unter den Schülern kamen wir Freitag, den 13. Oktober wieder in Leipzig, Dresden und Chemnitz an.
 Für die kommende Zeit im Englischunterricht gibt es nun viele Möglichkeiten, die Erlebnisse unserer Schüler in den Lernprozess einzubeziehen und die dadurch gewachsene Motivation zu nutzen.